Apple: Cupertinos faulstes Obst
Jeder kennt sie, viele besitzen sie: iPods. Allein der Name ist bei uns als Kult eingebrannt. Doch die Firma, die hinter den nicht für jeden erschwinglichen Musikplayern steckt hat so manches (düstere) Geheimnis und erlaubt sich teilweise Frechheiten, für die Konkurrenten wie zum Beispiel Microsoft gleich einen Skandal gelandet hätten.
Auf der einen Seite stehen iPods für Benutzerfreundlichkeit, Design und Qualität, auf der anderen Seite stehen schlechter Support, schlechte Arbeitsbedingungen und Inkompatibilitäten en masse. Trotzdem erfreut sich Apple eines guten Image. Mit einem Wert von 55,2 Milliarden Dollar (umgerechnet etwa 34,7 Milliarden Euro) liegt Apple auf Platz sieben der teuersten Marken der Welt.
Wie schafft Apple das? Dieses wahnsinnige Image über Jahre fast unangetastet zu wahren? Ganz einfach: Still und heimlich lässt der Konzern seine Muskeln spielen und ist immer schnell dabei, Blogger und Journalisten abzumahnen, die sich wagen auch nur ein bisschen Kritik auszuüben. Zuletzt mahnte Apple Blogger ab, die berichtet hatten, wie man iPhone-Icons auch auf anderen Smartphones einsetzen kann. Aber auch Journalisten, die nur von der Existenz der Möglichkeit berichten werden abgemahnt. In konkret diesen Prozessen hatte Apple aber nur Teilerfolge.
Der Grund für die vielen Abmahnungen ist laut eigenen Angaben die Vermutung, dass sich hinter den Blogger-Pseudonymen eigene Mitarbeiter verstecken, die Firmengeheimnisse ausplaudern. Wahrscheinlich aus diesem Grund werden die Mitarbeiter von Apple auch gezielt mit Fehlinformationen versorgt und beim Surfen überwacht. Besuchen sie zu lange „Gerüchte-Websites“, werden sie ermahnt. Wo wir auch schon bei den Arbeitsbedingungen angekommen sind.
Apple lässt seine Produkte von der taiwanischen Firma Foxconn in Shenzen, China (auch iPod-City genannt) produzieren. Apple geriet durch schlechte Arbeitsbedingungen in den Fabriken in die Schlagzeilen. So machten die Mitarbeiter von Foxconn monatlich rund 80 Überstunden, bekamen knapp 50 Euro pro Monat weniger als im Mindestlohngesetz vorgeschrieben, mussten teilweise bis zu 15 Stunden am Tag arbeiten und in Schlafräumen mit 99 weiteren Arbeitern schlafen. Zudem war Besuch von außerhalb unerwünscht. Als Foxconn deswegen in die Medien gerat, tat Apple sich schwer mit einem Statement, in dem es am Ende hieß, man hätte bei Foxconn Defizite bei den Arbeitsbedingungen gefunden und werde diese beheben.
Apple ist keinesfalls dumm. Irgendwie muss diese Firma es schaffen, dass die Nachfrage nach ihren Produkten alles Rationale übersteigt. Das ist Kult. Dabei bemerken die Konsumenten garnicht, dass sie gehörig verapplet werden. Was für sie zählt ist das Äußere. Das Innere scheint für viele nicht wichtig zu sein. Das iPhone ist halt cool und deshalb will es jeder haben. Dabei wird nicht bedacht, dass man keine MMS verschicken kann, dass man keine Speicherkarten einstecken kann, dass man seine Kontaktliste mit der alten 2.0-Firmware nicht durchsuchen konnte, dass der Akku eben nicht austauschbar ist, dass nur T-Mobile das iPhone in Deutschland verkauft und dass eben nur eine 2-Megapixel-Kamera drin ist. Andere Hersteller können mindestens doppelt soviel. Für diesen ganzen Mist, der eben bei einem iPhone nicht existiert bezahlt man sich dumm und dämlich.
Zusätzlich berichtete Heise Online am 30. Juli davon, dass man mit einer geschickt manipulierten Multi-Part-SMS das iPhone zum Abstürzen bringt oder komplett die Kontrolle übernimmt. Hat sich das nicht jeder iPhone-Besitzer gewünscht?
Inkompatibilitäten gibt es auch bei den iPods. Der neue iPod shuffle (der mit mir redet, hey, cool) funktioniert nur mit den original Ohrhörern von Apple. Oder welchen, die mit Apples Genehmigung neu entwickelt wurden. Apple selbst räumte ein, dass man einen Chip eingebaut habe, der eben nur solche Ohrhörer zulässt. Immerhin war dafür Platz in einem iPod, den ich wahrscheinlich verlieren würde, weil er zu klein ist.
Apples DRM (Digital Rights Management, steuert die Rechte die man hat, wenn man ein Lied im Internet kauft und runterlädt) ist inkompatibel zu allem – außer zu den eigenen Produkten. Will ich also ein Lied, welches ich im iTunes store gekauft habe auf etwas Anderem anhören als auf einem iPod, einem iPhone etc. werde ich berauscht von der absoluten Stille die mich dabei erwartet. Auf der anderen Seite sind Apple Produkte nicht kompatibel zu offenen Formaten wie zum Beispiel Ogg Vorbis. Andere MP3-Player können das schon längst.
Was mich ebenfalls an Apple stört ist der schlampige Umgang mit den Daten der User. In den Datenschutzbestimmungen heißt es „[...] außerdem können wir Informationen über Sie offenlegen, wenn wir der Überzeugung sind, dass dies im öffentlichen Interesse liegt [...]“. Wenn ich also berühmt wäre, würde ich mir garantiert keine Apple-ID besorgen, weil ich sonst Angst bekommen würde, Apple würde meine Telefonnummer, meine eMailadresse oder Ähnliches offenlegen. Das alles würde ja dann im öffentlichen Interesse liegen.
Übrigens: Apple kam auch schon in die Schlagzeilen, weil iTunes einfach so, ungefragt selbstverständlich, Daten an Apple gesendet hat.
Zum Glück gibt es nach wie vor Leute, denen Apples Verhalten auf die Nerven geht. Diese Leute kämpfen gegen die Sperren und Einschränkungen, die Apple seinen Kunden auferlegt und entwickeln Beispielsweise den Jailbreak für den iPod touch bzw. das iPhone. Jailbreak? Ja, Jailbreak. Zu deutsch „Knastausbruch“ manipuliert dieser die Firmware des Geräts um so Programme (sogenannte „Apps“) auch ohne Apples Segen zu installieren. So kann man seinen iPod bzw. sein iPhone um viele nützliche Funktionen erweitern. Zum Beispiel kann man endlich das Aussehen seines Gerätes selbst bestimmen, Videos mit dem iPhone aufnehmen, MMS verschicken etc.
Natürlich hat Apple auch gegen den Jailbreak etwas und mahnt fleißig weiter ab. Nebenbei versucht der Konzern US-amerikanischen Netzbetreibern weiszumachen, dass ein gejailbreaktes iPhone, falls man Zugriff auf den sogenannten „Baseband Processor“ erhält, unter Anderem Sendemasten absichtlich abstürzen lassen kann oder umsonst telefonieren bzw. surfen kann.
Als ich mir meinen iPod touch gekauft habe wusste ich vorher, dass ich ihn jailbreaken werde. Bedauerlicherweise war noch kein Jailbreak für meinen iPod fertig. Dieser kam ein paar Wochen nachdem ich meinen iPod dann hatte. Ich habe ihn dann so schnell wie möglich gejailbreakt und bereue es nicht. Im Gegenteil. Hätte ich ihn nicht gejailbreakt wäre er aus meiner jetzigen Sicht keine 219 Euro wert…
Dieser Beitrag wurde von Julian Rabe am 10. September 2009 um 18:00 Uhr in Politik, Schülerzeitung, Wirtschaft geschrieben.
Beim Schreiben hörte Julian Rabe Musik.
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